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Die Lage klar erfassen

Die Lage klar erfassen

Weltwirtschaft expandiert ungeachtet höherer Energiepreise
Mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,9 % in 2006 setzte die Weltwirtschaft ihre seit drei Jahren anhaltende positive Entwicklung fort. Niedrige Realzinsen sowie die in vielen Volkswirtschaften gestiegene Beschäftigung stärkten das Verbrauchervertrauen und die Konsumbereitschaft weltweit deutlich. Darüber hinaus bildete der um 8,9 % ausgeweitete Welthandel eine wichtige Stütze der Weltkonjunktur. Während einerseits Energiepreise und Rohmaterialien für einen Preisschub sorgten, der nicht vollständig in die Produzenten- und Verbrauchermärkte weitergegeben wurde, kam es andererseits durch eher moderate Lohnzuwächse zu einem geminderten Anstieg des Preisniveaus. Die gestiegenen Rohölpreise trugen allerdings mit dazu bei, dass sich die globalen Ungleichgewichte der Leistungsbilanz verstärkten. Während die Ölförderländer einen Großteil der weltweiten Überschüsse erwirtschafteten, wirkte sich die Energieverteuerung für Öl importierende Länder deutlich mindernd auf die Leistungsbilanz aus.

Im Euroraum übertraf der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts mit 2,7 % in 2006 den Anstieg der Vorjahre deutlich. Dabei wirkte sich die Konjunkturbelebung in Deutschland stimulierend auf die anderen Mitgliedsstaaten aus. Treibende Kraft der Konjunktur waren die nochmals um 8,7 % erhöhten Exporte. Aber auch der private Konsum expandierte mit 2,1 % stärker als in den Vorjahren. Zurückzuführen war dieser Anstieg vor allem auf die stabilisierte Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Hier erreichte die Arbeitslosenquote mit 7,9 % den niedrigsten Wert seit 2001.

In den Vereinigten Staaten verloren die privaten Konsumausgaben an Kraft und entfalteten damit eine limitierende Wirkung auf das Bruttoinlandsprodukt. Darüber hinaus schwächte sich die konjunkturelle Entwicklung auf 3,3 % ab, da zusätzlich Steigerungen der Energiepreise und des Zinsniveaus mit einer Abkühlung des Wohnimmobilienmarktes einhergingen. Das nochmals - vor allem durch Ölimporte bedingt - auf 890 Mrd. US-Dollar gestiegene Leistungsbilanzdefizit stellt weiterhin ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der USA dar.

Die Konjunktur in den Staaten Lateinamerikas profitierte aufgrund der regionalen Urproduktion von den hohen Rohstoffpreisen sowie der gestiegenen inländischen Nachfrage. Darüber hinaus wurde der wirtschaftliche Aufschwung durch Zinssenkungen, aber auch durch geringere Inflationsraten stimuliert. Die Aufwertung des Real wirkte sich dagegen relativ moderat auf die konjunkturelle Entwicklung Brasiliens aus.

In China übertraf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Berichtsjahr mit 10,6 % nochmals die hohen Steigerungen der vergangenen Jahre. Treibende Kraft waren wiederum die Bruttoanlageinvestitionen mit einem Anstieg um 18 %. Aber auch die Zunahmen der Exporte sowie des privaten Konsums trugen spürbar zum Aufschwung bei. Aufgrund des hohen Leistungsbilanzüberschusses stiegen die Währungsreserven des chinesischen Yuan erneut deutlich an und der Aufwertungsdruck auf den Yuan, der weiterhin nicht frei konvertierbar ist, blieb unverändert hoch.

Das Bruttoinlandsprodukt Indiens stieg trotz der hohen Belastung durch die Ölpreisverteuerung um 8,3 %. Getragen wurde dieser Anstieg durch Exporte, hauptsächlich von Industriegütern, die bereits im dritten Jahr einen Zuwachs um über 20 % verbuchen konnten.

Die japanische Wirtschaft setzte ihre seit fünf Jahren andauernde Expansion mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,8 % weiter fort. Gestützt von der Abwertung des japanischen Yen legten die Exporte deutlich zu. Als Folge gestiegener Verbraucherpreise konnte die japanische Zentralbank die "Nullzinspolitik" nach über fünf Jahren beenden und ein Zinsniveau für Anlagenzinsen von ca. 2 % etablieren.

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